„Wir kämpfen um jeden Bewerber“

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Quelle: MOZ vom 17.02.2016

von Burkhard Keeve

Oranienburg (MOZ) Zum ersten Mal wird auch der bundesweit aufgestellte Zoll sich auf der Oranienburger Bildungsmesse Youlab präsentieren, die am Mittwoch, 18. Februar, von 10 bis 14 Uhr im HBI-Forum der Turm-Erlebniscity stattfindet. Redakteur Burkhard Keeve sprach darüber mit Zollmitarbeiter Detlef Szesny aus Schildow.

 

Herr Szesny, wozu braucht der Zoll überhaupt Mitarbeiter?

Obwohl viele glauben, da es keine Grenzen mehr gibt, brauchen wir auch keinen Zoll mehr, haben wir jedoch viele Aufgaben.

 

Welche sind das?

Seit vielen Jahren sind wir die einzige Behörde, die für die Bekämpfung der Schwarzarbeit zuständig ist. Wir befragen Betriebe, prüfen und führen auch die Verfahren durch. Allein 7 000 Mitarbeiter sind dafür im Einsatz.

 

Wie groß ist der Zoll denn?

Wir haben bundesweit 39 000 Mitarbeiter und wir brauchen mehr, weil wir mehr Aufgaben erhalten haben. Wir müssen auch die Einhaltung des Mindestlohns überprüfen. Dafür werden bis 2019 allein 1 600 neue Stellen geschaffen. Neu hinzu kam 2014 auch die Kfz-Steuer, die bislang von den Ländern erhoben und verwaltet wurde.

 

Der Zoll muss also wachsen. Allerdings gibt es nicht Lehrlinge wie Sand am Meer, und andere Arbeitgeber suchen ebenfalls.

Stimmt. Wir müssen große Anstrengungen unternehmen, auch mit Blick auf die demografische Entwicklung. Bis lang haben wir pro Jahr zusammen 800 Ausbildungsplätze im mittleren und gehobenen Dienst ausgeschrieben. Jetzt suchen wir allein 800 Lehrlinge für den mittleren und noch einmal 500 im gehobenen Dienst.

 

Jedes Jahr 1 300 Auszubildende? Das ist eine stolze Zahl.

Ja, wir müssen unbedingt zulegen und kämpfen um jeden guten Kandidaten, der sich bewirbt. Wir brauchen auch neue Dozenten und Räume für die Lehrlinge, weil wir ein Internatsbetrieb sind.

 

Daher auch der erste Auftritt in Oranienburg bei der Jugendmesse Youlab?

Ja. Wir sind auch auf anderen Regionalmessen wie in Bad Belzig und Paaren/Glien vertreten. Zudem schauen wir zunächst nach Messen, die nichts kosten. Wir müssen aber immer aufs Budget achten, weil es ja Steuergelder sind, die wir ausgeben. An großen Messen wie in Berlin kommen wir aber nicht vorbei.

 

Was muss man tun, um sich zu bewerben?

Da gibt es viele Informationen auf zoll.de. Es sind bundesweite Ausschreibungen. Das Bewerbungsverfahren hat zwei Stufen, ein schriftlicher Teil mit Deutsch und Mathe. Dazu gibt es im Netz alte Tests, an denen man sich orientieren kann, und die zweite Stufe ist der mündliche Teil. Da geht es einen Tag lang um Ausdruck, soziale Kompetenz, Teamfähigkeit und so weiter. Zentral zuständig ist das Hauptzollamt Berlin.

 

Warum soll ich beim Zoll anfangen?

Wer seine Prüfung besteht, auch mit einer Vier, wird übernommen. Das garantieren wir. Man wird verbeamtet. Der Lohn entspricht dem Bundesbesoldungsgesetz. Anders als bei der Polizei, sind wir aber nicht so operativ aufgestellt. Wir bieten vor allem Innendienst an. Von den 39 000 Stellen sind nur 10 000 im operativen Dienst im Einsatz auf Flug- und Seehäfen, auf der Straße und gegen Schwarzarbeit. Es gehört zur Ehrlichkeit hinzu, zu sagen, dass man sich am Ende der Ausbildung nicht aussuchen kann, wo man eingesetzt wird. Wir sind eine Bundesbehörde, und jeder wird da eingesetzt, wo er benötigt wird. Das gilt für drei Jahre. Danach können Versetzungsanträge gestellt werden.

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