Mehr als tausend Jugendliche auf der Oranienburger Youlab

Wieso, weshalb, warum? Über die Nachfragen der Schülerinnen und Schüler freuten sich die 92 Messe-Aussteller. Hier der Stand des Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg, Standort Mühlenbeck. Foto: Burkhard Keeve/OGA

Wieso, weshalb, warum? Über die Nachfragen der Schülerinnen und Schüler freuten sich die 92 Messe-Aussteller. Hier der Stand des Berufsförderungswerk Berlin-Brandenburg, Standort Mühlenbeck.
Foto: Burkhard Keeve/OGA

Quelle: Märkische Onlinezeitung vom 15.02.2017

von Burkhard Keeve

Oranienburg (OGA) Es ist laut, warm und wuselig. Nele Schulz lässt sich durch den ganzen Trubel auf der Berufsbildungsmesse Youlab in Oranienburg nicht ablenken. In ihrer Hand hält die Neunjährige eine kleine Spielkonsole. Damit bewegt sie einen mechanischen Bagger über „Sandberge.“

Hartmut Sangerhausen von der Eichstädter Rohrleistungsbau Gesellschaft Esbe lächelt. Er freut sich über das Interesse der Kleinen. Sein Unternehmen ist das erste Mal auf der Youlab. Der Andrang ist riesig. Klassenweise ziehen die Schülergruppen an den Ständen der MBS-Arena der Turm-Erlebniscity. 92 Messeteilnehmer präsentieren sich. So viele wie noch nie.

„Wir suchen gezielt zwei Lehrlinge“, sagt Hartmut Sangerhausen. Die Messe sei ein Versuch, auf sich aufmerksam zu machen. Das wollen alle Aussteller. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren sind die Stände und Präsentationen professioneller geworden. Einfach nur noch Kugelschreiber verteilen, macht niemand mehr.

Für den Messe-Macher Philipp Gall von der IHK ist die Youlab eine Erfolgsgeschichte. Jedes Jahr seien die Anmeldezahlen der Unternehmen, Betriebe und Institutionen angestiegen. „Früher hatten die Firmen keine Not, sich präsentieren zu müssen“, sagt Gall. Doch das Blatt hat sich gewendet. Es fehlen Lehrlinge. Jetzt müssen die Firmen auf den Nachwuchs zugehen, ihn umwerben. Dass sich nur Firmen aus der Region auf der Messe vorstellen, ist gewollt, betont Gall. „Wir wollen die jungen Menschen in der Region halten. Sie sollen hier ihr berufliches Leben aufbauen.“ Das Konzept scheint anzukommen. Dieses Mal mussten die Veranstalter Ausstellern absagen. „Wir waren zum ersten Mal überbucht“, sagt Gall nicht ohne Stolz.

Vielen junge Besucher gehen mit offenen Augen über die Messe. So wie Leonie Schwarzbach aus Hennigsdorf. Die 15-Jährige geht auf die Albert-Schweitzer-Schule und ist mit ihren Freundinnen unterwegs auf der Messe. Sie wisse zwar noch nicht konkret, was sie einmal werden möchte – „es geht in die Richtung Soziales“ -, aber die Messe „hat mir sehr geholfen, einen Überblick über viele Berufe zu bekommen“, so die 15-Jährige. Auch die Schülerin Julina Wegner aus Birkenwerder hält das Angebot der Youlab für gelungen. Sie steht am Stand von Plusprint, die seit 2015 in Eichstädt Textilveredelung anbieten. Jede Woche bestickt oder bedruckt Plusprint rund 20 000 T-Shirts, Basecaps, Turnhosen und mehr. Julina Wegner kommt ins Gespräch mit Simon Schönhoff. Sie reden über Printdesign und ein Praktikum, dass sie in der zehnten Klasse machen will. Am Ende sagt die 14-Jährige über die Messe: „Hier gibt es gute Ideen.“

Simon Schönhoff freut sich über das Interesse. Seit 2016 bildet Plusprint erst aus. Voriges Jahr gab es einen Bewerber. Den einen haben sie dann auch genommen. Über die Youlab hofft Schönhoff auf mehr Bewerber. „Ich bin zuversichtlich.“

Thorsten Ladwig von der Hennigsdorfer Firma Flammsyscomp gehört von Beginn an zu den Youlab-Fans. Jetzt sucht der Industrieteilehersteller Azubis für zwei neue Lehrberufe – den Stanz- und Umformtechniker und den Werkzeugmechaniker. „Vor zehn Jahren hatten wir 250 Bewerber – eine schöne Auswahl“, so Ladwig. Doch die Konkurrenz ist groß. Also wurden die Voraussetzungen geändert. Noten seien nicht mehr das Wichtigste. Jetzt ginge es darum, diejenigen zu finden, die Interesse haben, so Thorsten Ladwig.

Das Interesse für die Youlab teilten nicht alle Jugendlichen. Etliche arbeiteten nur ihren Schulzettel ab, den sie ausfüllen mussten und verschwanden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.