Berufsorientierung auf der „youlab“

Takeda-Azubis informierten über die Ausbildung zum Chemielaboranten Foto: Marco Winkler

Takeda-Azubis informierten über die Ausbildung zum Chemielaboranten
Foto: Marco Winkler

Quelle: Märkische Allgemeine vom 15.02.2017

von Marco Winkler

Mehr als 90 Unternehmen – ein Rekord! – präsentierten sich am Mittwoch auf der Ausbildungsmesse „youlab“ in Oranienburg. Um die 1200 Jugendliche nahmen die Möglichkeit wahr, sich über Berufsbilder zu informieren. Das ist auch nötig. Denn: Der Ausbildungsmarkt steckt in einer Krise. Viele Stellen bleiben unbesetzt.

Oranienburg. Nico wurde zum Glück fündig, Marc fand einige Anregungen. Die beiden Zehdenicker Jugendlichen besuchten am Mittwoch die Ausbildungsmesse „youlab“ in der Oranienburger MBS Arena. Nico Müller (17) und Marc Henning (16) sind beispielhaft für die am Ende 1200 Besucher der sechsten Auflage der Messe. „Ich mache jetzt mein Abitur und möchte danach in die Automobilbranche“, erzählte Nico. In der Tasche hatte er schon: Flyer, Info-Broschüren, Visitenkarten. Die hat er auf der Messe ergattert.

Kumpel Marc hat eine klare Meinung zu seiner beruflichen Zukunft: „Ich will nichts mit dem Handwerk zu tun haben.“ Das liege ihm nicht, ein Praktikum in einer Holzverarbeitungsfirma hätte das bestätigt. Aber: „Ich konnte mich hier gut über Alternativen informieren.“ Für ihn ist das einmal die Vivaris Getränke GmbH aus Grüneberg gewesen („Die machen doch die Mio Mio Brause.“) und die Textildrucker von Plusprint aus Eichstädt („Schon cool, was die machen.“) – Berufsorientierung also gefunden. Genau die fördert die Messe seit Jahren.

Azubis der Firma Elektro-Anlagenbau und Vertrieb (EltAV) aus Birkenwerder präsentierten Praktisches aus ihrem Ausbildungsalltag. Foto: Marco Winkler

Azubis der Firma Elektro-Anlagenbau und Vertrieb (EltAV) aus Birkenwerder präsentierten Praktisches aus ihrem Ausbildungsalltag.
Foto: Marco Winkler

„Oberhavel ist mit 1800 Schulabsolventen Spitzenreiter“, sagte Beate Fernengel, Präsidentin der IHK Potsdam. Die Nähe zu Berlin sei durchaus ein Fluch. „900 Azubis aus dem Landkreis fahren täglich nach Berlin zu ihrer Ausbildungsstätte.“ Dabei liege das Gute oft so nah. Mehr als 90 Aussteller (Rekord), vornehmlich aus der Region, präsentierten sich auf der Messe. „Berufliches Glück und Erfolg sind nicht an ein Studium geknüpft“, so Beate Fernengel, die auch daran erinnerte, Geflüchtete mit ins Boot zu holen und Zuwanderung als Chance zu sehen: „Es gibt 768 erwerbsfähige Asylbewerber in Oberhavel.“

Immer wieder beliebt: eine Ausbildung bei der Sparkasse. Foto: Marco Winkler

Immer wieder beliebt: eine Ausbildung bei der Sparkasse.
Foto: Marco Winkler

Brandenburgs Bildungsminister Günter Baaske machte auf einen Paradigmenwechsel aufmerksam. „2002 gab es 30 000 Euro Förderung für solche Messen, Unternehmen wurden bezahlt, damit sie teilnehmen“, sagte er. Heute ist das etwas anders: „Firmen zahlen Standgebühr.“

Der Kampf um Azubis ist hart geworden. Sechs von zehn Betrieben haben Probleme bei der Abzubi-Suche. „Die Zahl der Azubi-Verhältnisse ist seit 2005 um etwa 28 Prozent gesunken“, so Andreas Schulz, Bürgermeister von Hennigsdorf und Sprecher des Regionalen Wachstumskerns (RWK) Oranienburg-Hennigsdorf-Velten.

Mehr Ausbildungsplätze als Bewerber

„Es gibt mehr Ausbildungsplätze als Bewerber“, so Landrat Ludger Weskamp. Die „youlab“, die einen Teil der 300 Ausbildungsberufe abbilde, sei eine „komprimierte Möglichkeit, sich zu informieren.“

Organisiert wurde die Messe erneut vom IHK-Regionalcenter (RC) Oberhavel in Zusammenarbeit mit dem RWK, der Wirtschafts-, Innovations- und Tourismusförderung Oberhavel (WInTO), den Wirtschaftsjunioren Oberhavel und der Bundesagentur für Arbeit. „Die Nachfrage zeigt, dass die Messe Potenzial für eine Vergrößerung hat“, so Philipp Gall, RC-Leiter.

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